Von Klasse A bis S: realistische Roadmap für die Dressurausbildung
Auf einen Blick
- Der Weg von Klasse A bis Klasse S dauert bei einem talentierten Pferd-Reiter-Paar realistisch sechs bis acht Jahre — ohne Abkürzungen, mit dem richtigen Trainer und einer konsequenten Aufbauarbeit nach der Skala der Ausbildung.
- Die größten Stolpersteine liegen nicht in den höheren Lektionen, sondern in der Konsistenz der Grundlagen: Wer in Klasse L noch keine zuverlässige Anlehnung hat, wird in Klasse M an der Versammlung scheitern.
- Realistische monatliche Trainingskosten für ambitionierten Amateur-Dressursport liegen 2026 zwischen 1.000 und 2.500 Euro — Pension, Reitunterricht, Lehrgänge, Hufschmied, Tierarzt, Turniere zusammengerechnet.
Die Roadmap von Klasse A bis Klasse S ist eine der ehrlichsten Geschichten, die man im Dressursport erzählen kann. Sie ist nicht die Geschichte eines linearen Aufstiegs, sondern die Geschichte langsamer, sich wiederholender Aufbauarbeit, mit gelegentlichen Durchbrüchen und vielen Rückschlägen. Wer das versteht, geht den Weg mit realistischen Erwartungen — und kommt weiter als jemand, der ein ‘Schnellprogramm’ sucht.
In diesem Beitrag zeichnen wir den realistischen Weg von Klasse A bis Klasse S nach: Welche Zeitfenster sind realistisch, welche Inhalte werden in welcher Klasse trainiert, welche Stolpersteine sind typisch und was kostet der Weg über die Jahre? Wir schreiben aus der Praxis einer Sportreitanlage, die Reiter und Pferde regelmäßig auf diesem Weg begleitet.
Was die Klassen bedeuten
Die deutsche FN unterscheidet im Dressursport sechs Klassen:
- Klasse E — Eingangsstufe (Wettbewerbsformat für Reiter ab Reitabzeichen)
- Klasse A — Aufgaben im Vorgehend-Anlehnungsbereich
- Klasse L — Schwung und beginnende Geraderichtung
- Klasse M — Versammlungsbeginn, einfache Pirouetten
- Klasse S — Versammlung, hohe Lektionen, Galoppwechsel
- Grand Prix (S**)** — Spitzensport mit Piaffe, Passage, Galoppwechseltour
Zwischen den Klassen gibt es jeweils zwei Stufen (Klasse A* und A**, L* und L**, M* und M**), die einen schrittweisen Aufbau ermöglichen. Klasse S ist dabei feiner gegliedert und reicht von S* (etwa Prix St. Georg) über S** (Intermédiaire I) und S*** (Intermédiaire II) bis S**** (Grand Prix).
Jede Klasse hat klare Anforderungen, kodifiziert in den Aufgaben der jeweiligen Prüfung. Wer Klasse L startet, muss alle Lektionen aus A beherrschen plus die neuen Anforderungen aus L. Es gibt keine Abkürzungen.
Phase 1 — Klasse E und A (Jahre 1-2)
Trainingsinhalt: Solide Grundlagen aufbauen. Takt in allen drei Grundgangarten, beginnende Losgelassenheit, einfache Anlehnung, Übergänge zwischen den Gangarten, einfache Wendungen, einfache Hufschlagfiguren (Zirkel, Schlangenlinien, Volten).
Stunden pro Woche: Drei bis fünf Reiterstunden, davon idealerweise zwei mit Trainer.
Realistische Zeit bis zum Niveau: Ein bis zwei Jahre für Reiter, die schon reiten können und ein Pferd haben, das in dieser Klasse ausgebildet ist. Für Anfänger oder rohe Pferde länger.
Typische Stolpersteine: Zu früh in Richtung höhere Aufgaben arbeiten. Sitzfehler nicht korrigieren. Pferd zu schnell aufgaloppieren lassen, ohne Anlehnung zu festigen.
Phase 2 — Klasse L (Jahre 2-4)
Trainingsinhalt: Anlehnung wird stabil, Schwung kommt rein, erste Geraderichtungsarbeit. Lektionen: Schenkelweichen, Schultervor, einfache Galoppwechsel im Trab, leichte Tempo-Veränderungen, einfache Trabverstärkungen, Galoppieren im 8er und 6er.
Stunden pro Woche: Vier bis sechs Reiterstunden, mindestens zwei mit Trainer.
Realistische Zeit bis zum Niveau: Ein bis zwei Jahre vom soliden A-Niveau aus.
Typische Stolpersteine: Anlehnung wird nicht ehrlich. Pferd kommt hinter den Zügel oder gegen die Hand. Reiter konzentriert sich auf Lektionen, statt auf die Stufen Anlehnung, Schwung und beginnende Geraderichtung. Hier bleiben viele Reiter hängen — Klasse L ist die kritischste Phase im gesamten Aufbau.
Phase 3 — Klasse M (Jahre 4-6)
Trainingsinhalt: Beginnende echte Versammlung. Lektionen: Schulterherein, Travers, Renvers, einfache Galoppwechsel, einfache Pirouetten, fliegende Galoppwechsel werden eingeführt, verstärkte und versammelte Tempi werden klarer.
Stunden pro Woche: Fünf bis sieben Reiterstunden, drei bis vier mit Trainer.
Realistische Zeit bis zum Niveau: Zwei bis drei Jahre vom soliden L-Niveau aus.
Typische Stolpersteine: Versammlung wird mit ‘Zusammenhalten’ verwechselt. Galoppwechsel werden ohne ausreichende Vorbereitung trainiert. Reiter und Pferd verlieren die Losgelassenheit unter zunehmendem Versammlungsdruck.
Phase 4 — Klasse S (Jahre 6-8)
Trainingsinhalt: Echte Versammlung wird gefestigt. Lektionen: Galoppwechsel in Serien, Pirouetten im Galopp und Trab, Piaffe und Passage werden eingeführt, alle Lektionen werden in höchster Versammlung geritten.
Stunden pro Woche: Sechs bis acht Reiterstunden, mindestens vier mit Trainer, regelmäßige Lehrgänge.
Realistische Zeit bis zum Niveau: Zwei bis drei Jahre vom soliden M-Niveau aus.
Typische Stolpersteine: Reiter, die nicht genug eigene Reiterfahrung haben, scheitern in Klasse S — der Sitz und die Hilfengebung müssen extrem fein sein. Pferde, die in der Aufbauarbeit zu früh versammelt wurden, zeigen Verspannungen, die in Klasse S unweigerlich zu Problemen führen.
Realistische Trainingskosten
Die ehrliche Kostenseite, monatlich, für ein Pferd in Pension auf einer guten Sportreitanlage 2026:
| Kostenposition | Monatlich (Euro) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Pension (Außenbox) | 700-900 | Auf der Eichhof Akademie ab 900 €, einschließlich voller Anlagennutzung |
| Reitunterricht (8-12 Stunden) | 350-500 | Bei externem Trainer oder auf der Anlage |
| Hufschmied | 60-100 | Alle 6-8 Wochen |
| Wurmkur und Tierarzt (Pauschale) | 50-80 | Über Jahresdurchschnitt |
| Turnierstarts und Equipment | 100-300 | Saisonabhängig |
| Lehrgänge (2-4 jährlich) | 150-250 | Über Jahresdurchschnitt |
| Versicherung Pferd und Reiter | 30-60 | Haftpflicht und ggf. Krankenversicherung |
| Summe Monatsbudget | 1.440-2.190 | Ambitionierter Amateurdressursport |
Über fünf Jahre Ausbildung sind das gesamthaft 86.000 bis 131.000 Euro Trainingskosten — zusätzlich zum Pferd selbst. Wer das nicht klar im Kopf hat, geht den Weg mit falschen Erwartungen.
Wie wir an der Eichhof Akademie unterstützen
Wir bieten alle Bausteine für den Weg zur Klasse S unter einem Dach an:
- Pension — Außenboxen und Offenstall, mit allen Trainingsplätzen für Klasse-S-Vorbereitung (20 × 60 m Ebbe-Flut-Dressurplatz, Reithalle, zweiter Dressurplatz)
- Reitunterricht — Cheftrainerin Dressur Kim Jesse (Dressurausbildung bis Grand Prix, Westfälische Dressurmeisterin) plus Pferdewirtschaftsmeisterin Pia Anina Gerullis auf Lehrgängen und ausgewählten Trainingstagen
- Beritt — Vollberitt, Teilberitt, Korrekturberitt für Pferde, die einen Entwicklungsschub brauchen
- Lehrgänge mit hochkarätigen Gasttrainern — Karin Lührs (Grand Prix), Christoph Hess (klassische Methodik), Conny Faste (Sitzanalyse)
Diese Kombination ist im Berliner Raum selten. Mehr zur Auswahl der richtigen Reitanlage in unserem Beitrag Reitanlagen im Süden Berlins.
Was Sie unterwegs verlieren werden — und gewinnen
Drei Wahrheiten zur Roadmap:
Erste Wahrheit: Sie werden Phasen haben, in denen Sie zweifeln. Plateaus, in denen sich monatelang nichts zu bewegen scheint. Pferdeprobleme, die nichts mit dem Reiten zu tun haben (Krankheiten, Verletzungen). Reiterprobleme, die mit Lebensphasen zu tun haben. Wer das nicht weiß, gibt zu früh auf.
Zweite Wahrheit: Der Weg lohnt sich nicht für jeden. Manche Reiter sind in Klasse A glücklich und sollten auch da bleiben. Andere wollen unbedingt M reiten, ohne die Voraussetzungen mitzubringen. Die ehrliche Selbsteinschätzung — und ein ehrlicher Trainer — sind wichtiger als jeder Ehrgeiz.
Dritte Wahrheit: Wer es ernsthaft will und die Voraussetzungen mitbringt, kann es schaffen. Nicht jeder bis Grand Prix, aber bis S ist mit ausreichend Talent, Zeit, Geld und Geduld machbar.
Wenn Sie überlegen, diesen Weg ernsthaft zu gehen, vereinbaren Sie ein Erstgespräch. Wir nehmen uns Zeit, gemeinsam Ihre aktuelle Situation, Ihre Ziele und realistische nächste Schritte zu besprechen.
Roadmap A bis S auf einen Blick
| Klasse | Trainingsschwerpunkt | Realistische Zeit | Kritische Stolpersteine |
|---|---|---|---|
| A | Takt, Losgelassenheit, einfache Anlehnung | 1-2 Jahre | Sitzfehler nicht korrigiert |
| L | Anlehnung stabil, Schwung, beginnende Geraderichtung | 1-2 Jahre | Hänger auf L — kritischste Phase |
| M | Echte Versammlung, einfache fliegende Galoppwechsel | 2-3 Jahre | Versammlung mit Festhalten verwechselt |
| S | Galoppwechsel in Serien, Pirouetten, Piaffe-Passage | 2-3 Jahre | Sitz reicht nicht für hohe Lektionen |
| Gesamt A → S | Vollständige klassische Dressurausbildung | 6-10 Jahre | Ungeduld |
Weiterführende Quellen
- FN — Skala der Ausbildung (offizielle Seite) — Methodischer Rahmen jeder klassischen Dressurausbildung
- FN-Verlag — Richtlinien Band 2: Weiterführende Ausbildung für Pferd und Reiter — die offizielle FN-Quelle für Klasse-L-bis-S-Inhalte
- FN — Trainerausbildung (Trainer C / B / A) — Qualifikationsstufen für Reitlehrer und Berittausbilder
- FN — Vertiefungsartikel zur Versammlung — Schlüsselthema für den Übergang von L zu M und M zu S
- DOKR — Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei — Spitzensport-Strukturen für Reiter mit Klasse-S- und Grand-Prix-Ambitionen
Verfasst von Franziska Gutsche, Inhaberin der Eichhof Akademie. Wir begleiten unsere Einsteller auf diesem Weg von A bis S — mit klassischer Methodik, festem Trainerteam und regelmäßigen Lehrgängen mit national anerkannten Gasttrainern.
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