Ankaufsuntersuchung Dressurpferd: was eine AKU 2026 wirklich prüft

Auf einen Blick
- Eine kleine AKU prüft die klinische Gesundheit ohne Röntgen, eine große AKU schließt eine umfangreiche Röntgenserie ein — der neue Röntgen-Leitfaden 2026 der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) sieht 22 Standardaufnahmen vor (vorher 18) und gilt seit dem 1. April 2026.
- Die Kosten 2026 liegen bei rund 150 bis 280 Euro für eine kleine AKU, 600 bis 1.300 Euro für eine große AKU (je nach Röntgenumfang) und ab 1.300 Euro aufwärts für eine erweiterte AKU mit Ultraschall, Endoskopie und Labor.
- Der Röntgen-Leitfaden 2026 verzichtet auf abgestufte Risikoklassen: Befunde werden entweder als 'ohne besonderen Befund' geführt, als Befund mit unsicher einschätzbarem Risiko oder als Befund 'mit Lahmheitsrisiko' (Kennzeichnung 'Risiko') eingestuft — befundet wird immer bezogen auf den Verwendungszweck.
Wer ein Dressurpferd kauft, investiert nicht nur Geld, sondern in der Regel auch fünf bis fünfzehn Jahre Reitleben. Diese Investition mit einer Ankaufsuntersuchung abzusichern, ist heute Standard — aber wie diese Absicherung praktisch aussieht, ist vielen Käufern unklar. Welche AKU? Welche Röntgenbilder? Welche Befunde sind kritisch, welche tolerierbar? Und wer trägt die Kosten?
In diesem Beitrag erklären wir, was eine Ankaufsuntersuchung 2026 wirklich prüft, was sie kostet, welcher Umfang für ein Dressurpferd sinnvoll ist und wie Sie als Käufer praktisch vorgehen. Seit dem 1. April 2026 gilt dabei der neue Röntgen-Leitfaden 2026 der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM), der den bisherigen Leitfaden von 2018 ablöst und einige wichtige Punkte verändert hat. Wir schreiben aus der Perspektive einer Sportreitanlage mit eigener Zucht und Verkauf — wir haben in unserer Praxis viele AKUs begleitet, sowohl als Verkäufer als auch beratend für Käufer.
Was eine AKU leistet — und was nicht
Eine AKU ist eine tierärztliche Untersuchung, die den aktuellen Gesundheitszustand eines Pferdes dokumentiert. Sie schützt den Käufer vor versteckten Mängeln und gibt dem Verkäufer eine sachliche Grundlage. Was sie leistet:
- Aktuelle Erfassung von klinisch sichtbaren Gesundheitsproblemen
- Dokumentation der Beweglichkeit und Bewegungsabläufe
- Bei großer AKU: Röntgendokumentation der Skelettstrukturen
- Belastungsprobe unter Sattel oder an der Longe
- Sachliche Basis für die Kaufentscheidung und spätere Beweisführung
Was sie nicht leistet:
- Keine Garantie für ein lebenslang gesundes Pferd. Die AKU sagt etwas über den Zustand am Tag der Untersuchung, nicht über die nächsten zehn Jahre.
- Keine Vorhersage künftiger Erkrankungen. Ein heute gesundes Pferd kann morgen einen Sehnenschaden haben — kein Tierarzt kann das verlässlich vorhersagen.
- Keine Charakterbewertung. Wenn das Pferd nervös, unverträglich oder schwierig im Umgang ist, fällt das in der AKU nur am Rande auf.
Wichtig dabei: Der Röntgen-Leitfaden 2026 betont ausdrücklich, dass die klinische Untersuchung die wichtigste Grundlage zur Beurteilung der aktuellen körperlichen Verfassung ist. Die Röntgenuntersuchung ist eine Zusatzuntersuchung und bildet nur einen kleinen Ausschnitt des Befundspektrums ab. Die AKU ist also notwendig, aber nicht hinreichend. Sie braucht das Zusammenspiel mit einer fundierten Käufer-Checkliste, Zeit am Pferd, Probereiten und einem ehrlichen Verkäufer.
Kleine AKU vs. große AKU im Detail
Die wichtigste Entscheidung beim Beauftragen einer AKU ist der Umfang.
Kleine AKU. Standardumfang: Allgemeinuntersuchung, Beurteilung im Stand und in der Bewegung auf hartem Boden, Beugeproben aller großen Gelenke, Longieren auf hartem und weichem Boden, Belastungsprobe unter dem Sattel. Dauer: ca. 60 bis 90 Minuten. Kosten 2026: 150 bis 280 Euro.
Sinnvoll wann? Für Freizeitpferde mit moderater Beanspruchung, für Pferde mit niedrigem Kaufpreis, für junge Pferde, deren Skelett noch nicht ausreichend ausgereift ist für aussagekräftige Röntgenbilder. Der Röntgen-Leitfaden 2026 kommt grundsätzlich bei lahmfreien Warmblutpferden ab einem Alter von drei Jahren zur Anwendung.
Große AKU. Umfasst alle Bestandteile der kleinen AKU, ergänzt um eine Röntgenserie. Der Röntgen-Leitfaden 2026 der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) nennt 22 Standardaufnahmen als Vollumfang — bisher waren es 18. Diese 22 Aufnahmen ergeben sich aus 11 Standardprojektionen, die jeweils an der linken und rechten Gliedmaße angefertigt werden:
- Vordergliedmaßen (je 4 Projektionen): Huf seitlich (90°), Zehe/Fessel seitlich (90°), Zehe/Fessel von vorne (0°, dorsoproximal-palmarodistal) und Huf von vorne (0° nach Oxspring)
- Hintergliedmaßen (je 7 Projektionen): Zehe/Fessel seitlich (90°), Zehe/Fessel von hinten (0°), Sprunggelenk in drei Ebenen (0°, ca. 45°, ca. 135°) sowie Knie (90°–135° und 180°)
Die Erhöhung von 18 auf 22 Aufnahmen geht im Wesentlichen darauf zurück, dass die Fesselgelenke jetzt zusätzlich von vorne bzw. hinten (0°-Projektion) geröntgt werden. Ein dreidimensionales Gelenk lässt sich im zweidimensionalen Röntgenbild nur aus mehreren Ebenen sinnvoll beurteilen, und in der Vergangenheit waren zunehmend Veränderungen am gelenknahen Knochen im Fesselgelenk aufgefallen, die mit der bisherigen Aufnahmezahl nicht zuverlässig erfasst wurden.
Wichtig für Käufer: Röntgenaufnahmen der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule gehören ausdrücklich nicht zum Standardumfang. Der Röntgen-Leitfaden 2026 listet sie nicht, weil keine wissenschaftlich belastbaren Erkenntnisse über die klinische Bedeutung von Wirbelsäulenbefunden bei klinisch unauffälligen Warmblutpferden vorliegen. Solche Aufnahmen sind eine gesondert zu vereinbarende Zusatzuntersuchung und nur bei konkretem Verdacht sinnvoll.
In der Praxis werden je nach Anforderung und Pferdetyp 12 bis 22 Aufnahmen gemacht. Dauer: 2 bis 3 Stunden. Kosten 2026: 600 bis 1.100 Euro je nach Umfang.
Sinnvoll wann? Für jedes Pferd, das im Sport eingesetzt werden soll. Insbesondere für Dressurpferde im Wettkampfsport ist die große AKU 2026 Standard.
Erweiterte große AKU. Zusätzlich zum vollen Röntgenstandard (22 Aufnahmen) werden weitere, gesondert zu vereinbarende Projektionen oder Spezialaufnahmen gemacht, oft ergänzt um Ultraschall, Endoskopie der Atemwege und Blutuntersuchung. Kosten 2026: 1.000 bis 1.300 Euro oder mehr.
Sinnvoll wann? Für hochpreisige Pferde (ab etwa 30.000 Euro Kaufpreis), für Pferde mit vermuteten Vorerkrankungen, für internationale Käufe mit komplexer Versicherungsabwicklung.
Wie Befunde heute befundet werden
Befunde aus der AKU werden vom Tierarzt befundet. Maßgeblich ist der Röntgen-Leitfaden 2026 der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM), der seit dem 1. April 2026 gilt und den Leitfaden von 2018 ablöst. Eine wichtige Neuerung: Der Leitfaden verzichtet bewusst auf eine abgestufte Skala (also auf Schulnoten oder durchnummerierte Risikograde). Hintergrund: Eine zuverlässige Risikoeinstufung einzelner Befunde auf Basis einer belastbaren Evidenzklasse ist nach heutigem Wissensstand schlicht nicht möglich.
Stattdessen wird eine klare Trennlinie gezogen. Jeder katalogisierte Röntgenbefund ist entweder
- ein Befund, der mit einem Lahmheitsrisiko behaftet ist — er wird in der Befundliste mit dem Wort „Risiko” gekennzeichnet, oder
- ein Befund, bei dem das Risiko, eine Lahmheit zu verursachen, nicht zuverlässig eingeschätzt werden kann.
Aus diesen Einzelbefunden ergibt sich am Ende eine zusammenfassende Beurteilung, die in genau einer von drei Aussagen mündet:
| Abschließende Beurteilung | Bedeutung |
|---|---|
| Es liegen keine besonderen Befunde vor (o.b.B.) | Keine von der normalen Röntgenanatomie abweichenden Befunde |
| Befunde ohne sicher einschätzbares Risiko | Es liegen Abweichungen vor, deren Risiko für eine spätere Lahmheit sich nicht sicher einschätzen lässt |
| Befunde mit Lahmheitsrisiko („Risiko”) | Es liegen Befunde vor, die mit einem Lahmheitsrisiko behaftet sind |
Zwei Dinge sollten Käufer dazu wissen. Erstens werden bewusst nur die mittel- bis hochgradigen Ausprägungen vieler Befunde gelistet — geringgradige Veränderungen (zum Beispiel leichte Hufknorpelverknöcherungen) gelten als funktionell unbedeutend. Zweitens werden die Befunde nach anatomischen Regionen (Zehe, Sprunggelenk, Knie) gemeinsam beurteilt; bei besonders sensiblen Strukturen wie dem Strahlbein oder den straffen Sprunggelenken kann auch die Summe mehrerer kleinerer Befunde in der Gesamtschau eine Einordnung als „Risiko” rechtfertigen.
Entscheidend bleibt: Die Einstufung ist keine reine Skala, sondern wird vom Tierarzt bezogen auf den konkret geplanten Verwendungszweck vorgenommen. Ein Befund am Hinterhufgelenk kann bei einem Dressurpferd irrelevant sein, bei einem Springpferd dagegen kritisch. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt explizit über Ihre Pläne mit dem Pferd. Zur Interpretation steht Tierärzten außerdem ein begleitender Online-Bilderkatalog (app.gpm-vet.de) zur Verfügung.
So gehen Sie als Käufer praktisch vor
Fünf Schritte führen zu einer guten AKU-Entscheidung:
1. Tierarzt selbst wählen. Beauftragen Sie nicht den Verkäufer-Tierarzt, sondern einen Tierarzt Ihres Vertrauens. Wenn Sie keinen kennen, fragen Sie in Ihrer aktuellen Pension oder bei der Tierärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg nach Empfehlungen.
2. Umfang besprechen. Klären Sie vorab mit dem Tierarzt, welcher Umfang sinnvoll ist. Bei einem 15.000-Euro-Dressurpferd ist eine große AKU mit dem vollen Standardumfang (22 Aufnahmen) sinnvoll, bei einem 35.000-Euro-Pferd sollten Sie zusätzlich über die erweiterte Variante mit Ultraschall, Endoskopie und Labor nachdenken.
3. AKU vor Vertragsabschluss durchführen. Niemals nach Kaufabschluss. Wer eine AKU nach der Übergabe macht und einen Mangel findet, ist rechtlich in der schwächeren Position.
4. Befunde mit dem Tierarzt besprechen. Lassen Sie sich nicht nur den Bericht zusenden, sondern besprechen Sie die Befunde mündlich. Fragen Sie konkret: Was bedeutet das für die geplante Nutzung? Welche Befunde sind aktuell unkritisch, könnten sich aber entwickeln? Welche Befunde wären Anlass, vom Kauf abzusehen?
5. Eigene Entscheidung treffen. Die AKU ist eine Datengrundlage, kein Urteil. Auch ein Pferd, dessen Befunde mit einem Lahmheitsrisiko behaftet sind, kann ein gutes Reitpferd werden, wenn die Nutzung passt. Und auch ein Pferd „ohne besonderen Befund” kann morgen einen Sehnenschaden haben — der Röntgen-Leitfaden 2026 stellt selbst klar, dass die Erwartung, eine Röntgenuntersuchung könne skelettbedingte Risiken vollständig aufdecken, den tatsächlichen Möglichkeiten dieser Methode widerspricht.
Was wir am Eichhof bei eigenen Verkäufen anbieten
Bei unseren eigenen Verkaufspferden gehen wir den AKU-Prozess transparent an. Wir empfehlen Käufern grundsätzlich, einen eigenen Tierarzt zu beauftragen — auch wenn wir Ihnen Tierärzte aus unserer Region empfehlen können. Falls bereits eine aktuelle AKU für ein Pferd vorliegt, stellen wir die Befunde gern zur Verfügung; eine eigene, neue AKU durch den Käufer ist davon unabhängig sinnvoll.
Wir verkaufen Pferde aus eigener Aufzucht, die wir seit der Geburt kennen — wir wissen, welche Aufzuchtbedingungen, welche Hufschmiedhistorie, welche tierärztliche Vorgeschichte ein Pferd hat. Diese Tiefeninformation bekommen Käufer beim Direktverkauf vom Züchter selten.
Kostenübersicht 2026
| AKU-Typ | Umfang | Dauer | Kosten 2026 |
|---|---|---|---|
| Kleine AKU | Klinisch, ohne Röntgen | 60-90 Min | 150-280 € |
| Große AKU | Klinisch + 8-12 Röntgen (Teilprogramm) | 2-3 h | 600-900 € |
| Große AKU (Vollstandard) | Klinisch + 22 Röntgen nach Leitfaden 2026 | 2-3 h | 900-1.100 € |
| Erweiterte große AKU | Vollstandard + Zusatzaufnahmen, Endoskopie, Ultraschall, Labor | 3-4 h | 1.300 € + |
Hinzu kommen oft Anfahrtsgebühren und Sondergebühren für notwendige Sedierung oder Spezialuntersuchungen.
Eine AKU ist eine wichtige, aber nicht die einzige Investition beim Pferdekauf. Lesen Sie auch unsere Pferdekauf-Checkliste für Dressurpferde und unseren Beitrag zu Hannoveraner Dressurpferd kaufen. Wenn Sie überlegen, ein Pferd aus unserem Bestand zu kaufen, vereinbaren Sie einen Besichtigungstermin — wir nehmen uns Zeit für ein ausführliches Vorgespräch.
Weiterführende Quellen
- GPM — Röntgen-Leitfaden (2026), PDF — die aktuelle Leitlinie der Gesellschaft für Pferdemedizin: 22 Standardaufnahmen, „Risiko”-Kennzeichnung statt abgestufter Klassen, gültig seit 1. April 2026
- Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) — Herausgeber des Röntgen-Leitfadens, mit begleitendem Online-Bilderkatalog (app.gpm-vet.de) als Interpretationshilfe
- FN-Shop — Pferdekauf-Mustervertrag — offizielle FN-Musterverträge für privaten und gewerblichen Kauf
- FN — Pferdekauf und Beweislastumkehr — rechtlicher Rahmen beim Kauf vom gewerblichen Anbieter
- Tierärztliche Hochschule Hannover — Klinik für Pferde — Referenzklinik für komplexe AKU-Befundungen
Verfasst von Franziska Gutsche, Inhaberin der Eichhof Akademie und Hannoveraner-Züchterin. Wir legen bei eigenen Verkaufspferden die Vorgeschichte vollständig offen — von der Mutterstute über die Aufzucht bis zum Anreiten.
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